Zukunftsfähigkeit & Nachhaltigkeit

Thema unserer Publikation ist Zukunft. Doch was können wir überhaupt über die Zukunft wissen? Ist sie nicht völlig offen und unsicher?

Es fällt uns schwer, mit der Unsicherheit umzugehen. Ob im Orakel, in Prophezeiungen, der Astrologie oder in der modernen Statistik – zu jeder Zeit wurde und wird versucht, das, was noch nicht ist, erfahrbar und vorhersehbar zu machen, um der Unsicherheit zu entgehen und eine Grundlage für Entscheidungen zu schaffen.

Zweifelsohne ist die Statistik heute eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Instrument, um mit der Offenheit der Zukunft umzugehen. Dabei ist sie durchaus nicht unumstritten.

In diesem Schreibprojekt soll die Rolle der Statistik in Prognostik und Zukunftsgestaltung herausgearbeitet werden. Hierzu werden ihre Grundlagen und Grenzen skizziert sowie das Fiktionale als ihr konstruktives Moment bestimmt. Sie schafft, ebenso wie der moderne Roman, der sich parallel zur modernen Statistik herausbildet, alternative, mögliche bzw. wahrscheinliche Welten, die zur kulturellen Wirklichkeits- und Bedeutungskonstruktion beitragen.

Da Statistik zudem einen maßgeblichen Einfluss auf wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse hat, muss ihre wissenschaftliche Praxis transparent und selbstkritisch sein.

Was macht eine Gesellschaft zukunftsfähig? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte eine Gesellschaft haben, um zukunftsfähig zu sein? Die Fähigkeit einer Gesellschaft generell eine Zukunft zu haben, ist mit dem zukünftigen Vorhandensein dieser Gesellschaft verbunden. Damit zielt die Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Gesellschaft auf die Bedingungen ab, welche erfüllt sein müssen, um die Existenz der Gesellschaft langfristig zu erhalten.

Mit diesem Beginn des Essays ist die grundsätzliche Verbindung von Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit aus dem Titel schon gelegt. Dass mit den Bedingungen langfristiger Erhaltung auch die Bedingungen für Nachhaltigkeit erfüllt sind, strebt das  Essay an, dem Leser zu verdeutlichen. Es geht dabei zum einen um die Analyse eines aktuellen Verständnisses von Nachhaltigkeit aus dem politischen Raum. Denn gerade der politische Raum gibt viele Regeln für das Handeln der Menschen in der Gesellschaft und damit einen Teil der gelebten Nachhaltigkeit vor. Einige Probleme, welche dieses vorhandene Verständnis von Nachhaltigkeit mit sich bringt, werden aufgezeigt. Mit einer philosophischen Analyse dessen was Nachhaltigkeit bedeutet, wird zu einem anderen Verständnis von Nachhaltigkeit hingeleitet, welches die Probleme des zu Beginn angeführten Verständnisses nicht mehr beinhaltet. Das in diesem Essay eingeführte Existenzraum-Modell verdeutlicht, in welcher Abhängigkeit die vorhandenen Systeme auf der Erde stehen und in welcher Hierarchie sie zueinander stehen.

An drei beispielhaften Systemen wird klar, dass diese nur mit einem übergeordneten System überhaupt existieren können. Ohne ein übergeordnetes ökologisches Gesamtsystem kein darunter geordnetes Soziales Subsystem und ein wiederum kein darunter geordnetes Ökonomisches Subsubsytem. Das für wirkliche Nachhaltigkeit über einen langen Zeitraum ein Erhalten im Einklang mit den übergeordneten Systemen notwendig ist und eine Beschädigung eines übergeordneten Systems eben auch eine Gefahr für die Existenz des eigenen System ist.

Eine zukunftsfähige Gesellschaft ist auf Nachhaltigkeit als die Zukunftsfähigkeit erzeugende Bedingung angewiesen. Daher sind gesellschaftliche Entwicklungen, die den sozialen Zusammenhalt des gemeinschaftlichen Lebens als Gesellschaft weiter reduzieren, als eine Gefährdung für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft zu sehen. Genau das gleiche gilt auch für die ökologischen Grundlagen, um dessen Existenz auch eine menschliche Gesellschaft nicht herum kommt. Die Beschädigung des Ökologischen Systems Erde ist eine Gefährdung der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Auf welchen Zeitraum sich die Gewährleistung einer Zukunftsfähigkeit der eigenen Gesellschaft belaufen sollte, ist ein wichtiger Dialog, der in diesem Jahrhundert geführt werden muss. Denn viele Zeichen deuten darauf hin, dass die heutige Lebensweise vieler Menschen nicht viel Zukunft für weitere Generationen übrig lässt. Generationengerechtigkeit im globalen und allumfassenden Sinn darf im politischen Raum nicht in sich vertiefenden Verteilungsdiskussionen ausgespart werden und muss mehr in den Fokus gerückt werden.